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die Vertriebs­ausbildung.

Wege

Quereinstieg in den Vertrieb: Schritt für Schritt durch die ersten 90 Tage

Stand 02.10.2026 · 5 Minuten Lesezeit

Ein Mann und eine Frau besprechen an einem hellen Tisch im Büro ihre Notizen

Das Wichtigste in Kürze

Der Quereinstieg in den Vertrieb gelingt am sichersten über den Innendienst oder über Ihr bisheriges Fach, weil Sie dort Produkte, Preise und Kunden kennenlernen. Entscheidend sind die ersten 90 Tage: erst zuhören und mitgehen, dann eigene Gespräche mit bekannten Kunden, dann eigene Verantwortung. Was Sie aus dem alten Beruf mitbringen, ist dabei ein Vorteil.

Viele kennen das: Jemand arbeitet seit Jahren als Servicetechniker, im Handwerk oder in der Sachbearbeitung, kennt sein Fach bis ins Detail, und eines Tages fällt der Satz „Du kannst doch so gut mit Kunden“. Ab da läuft die Frage mit, ob der Vertrieb etwas wäre. Gleich dahinter kommt die zweite: Wie fange ich das an, ohne mich zu blamieren?

Welche Wege grundsätzlich in den Vertrieb führen, steht im Beitrag Wie werde ich Vertriebler? Hier geht es um den konkreten Wechsel: wo Sie anfangen, was Sie mitbringen und wie Sie die ersten 90 Tage aufbauen.

Offen, aber wählerischer

Der Vertrieb bleibt einer der offensten Berufe für Quereinsteiger. Die Zahl der Angebote ist zuletzt aber gesunken: Im ersten Halbjahr 2026 wurden laut einer Auswertung von Stellenanzeigen 28.423 Stellen für Vertriebs-Quereinsteiger mit Berufsausbildung ausgeschrieben, 15,2 Prozent weniger als ein Jahr zuvor (Bericht im Versicherungsmagazin). Für Sie heißt das: Wer zeigen kann, was er aus dem alten Beruf mitbringt, und einen Plan für den Anfang hat, hebt sich ab.

Innendienst oder Außendienst?

Die erste Entscheidung ist der Ort, an dem Sie anfangen. Beide Seiten gehören zum Vertrieb, sie fühlen sich aber sehr verschieden an.

InnendienstAußendienst
Wo Sie arbeitenIm Büro, am Telefon, per E-MailBeim Kunden vor Ort, viel unterwegs
Was Sie tunAngebote ausarbeiten, Aufträge begleiten, Anfragen beantwortenTermine vereinbaren, beraten, verhandeln, Kunden weiterentwickeln
Was Sie dabei lernenProdukte, Preise, Abläufe und die Sprache der KundenGesprächsführung, Verhandlung, eigene Planung
Für QuereinsteigerDer sichere Start mit schnellem ÜberblickPasst, wenn Sie das Produkt aus Ihrem Fach sehr gut kennen
Typischer nächster SchrittWechsel in den Außendienst oder in die KundenbetreuungEigenes Gebiet, später Key Account

Welche Seite Ihnen liegt, hängt weniger vom Lebenslauf ab als davon, ob es Sie zu fremden Menschen hinzieht oder ob Sie lieber feste Beziehungen pflegen. Eine erste Richtung gibt der Selbsttest Vertriebstyp.

Was Sie aus dem alten Beruf mitbringen

Quereinsteiger unterschätzen fast immer, was sie schon können. Es heißt im Vertrieb nur anders.

BisherIm Vertrieb heißt das
Servicetechnik, MontageSie wissen, wo eine Anlage im Alltag Ärger macht. Kunden glauben Ihnen das sofort.
HandwerkSie schätzen Aufwand und Preis realistisch ein und sprechen mit dem Kunden auf Augenhöhe.
Pflege, RettungsdienstSie bleiben ruhig, wenn es eng wird, und hören zu, bevor Sie handeln.
Gastronomie, EinzelhandelSie sprechen jeden Tag mit Menschen, die Sie vorher nicht kannten.
Verwaltung, SachbearbeitungSie arbeiten genau, halten Fristen und behalten viele Vorgänge gleichzeitig im Blick.

Schreiben Sie Ihre eigene Zeile auf, mit einem Beispiel aus Ihrem Alltag. Sie brauchen sie im Vorstellungsgespräch, und Sie brauchen sie in der dritten Woche, wenn der Zweifel kommt.

Die ersten 90 Tage

Tag 1 bis 30: zuhören und mitgehen

Ziel: verstehen, wie Ihre Kunden kaufen.

Was Sie tun: So oft wie möglich mit erfahrenen Kolleginnen und Kollegen zu Terminen mitgehen oder Telefonate mithören. Nach jedem Termin drei Sätze notieren: Was wollte der Kunde, was hat ihn überzeugt, was blieb offen? Dazu eine Liste der zehn Fragen, die Kunden am häufigsten stellen, mit den Antworten der Erfahrenen. Fachwörter wie Pipeline oder Forecast schlagen Sie im Glossar nach.

Woran Sie merken, dass es läuft: Sie können erklären, warum Ihre Kunden kaufen, nicht nur, was sie kaufen.

Tag 31 bis 60: eigene Gespräche mit bekannten Kunden

Ziel: die ersten Gespräche selbst führen, mit Kunden, die das Unternehmen schon kennen.

Anthony Steffan, der seit über 30 Jahren im B2B-Vertrieb arbeitet, beschreibt diesen Schritt aus Sicht der Erfahrenen. Ein Junior, der neu dazukommt, sei dankbar, wenn er gleich ein paar lauwarme Kontakte bekommt. Er selbst wäre, als er mit der Betreuung bestehender Kunden anfing, auch froh gewesen, ein paar Kunden mit guten Informationen vom Kollegen übergeben zu bekommen, statt alles neu aufzubauen. Erfahrene sollten deshalb ehrlich prüfen, welche Kunden sie abgeben können, und jede Übergabe mit einer Empfehlung verbinden.

Was Sie tun: Fragen Sie danach, statt zu warten. Ein Satz für das Gespräch mit Ihrer Führungskraft: „Gibt es ein paar Kunden, die jemand im Team abgeben würde? Dann übernehme ich sie mit einer ordentlichen Übergabe und lerne an echten Fällen.“ Vor jedem Termin bereiten Sie sich vor wie im Beitrag Kundenbesuch vorbereiten beschrieben, die Checkliste Erstgespräch hilft beim Abhaken.

Woran Sie merken, dass es läuft: Die übernommenen Kunden rufen Sie direkt an, nicht mehr den Kollegen.

Tag 61 bis 90: eigene Verantwortung

Ziel: ein kleiner, klar umrissener Bereich gehört Ihnen.

Was Sie tun: Sie sprechen die ersten neuen Kontakte selbst an. Gegen die Scheu vor dem Anruf hilft, was Anthony Steffan über sich erzählt: Er liest sich vorher in das Unternehmen ein, schaut auf die Website, sammelt Informationen. Sobald er sich mit dem Kunden befasst, kommen die Ideen, und mit ihnen die Lust anzurufen. Wie Sie solche Gespräche üben, steht im Beitrag Kaltakquise lernen. Am Ende jedes Monats setzen Sie sich mit Ihrer Führungskraft zusammen und klären drei Fragen: Was kann ich jetzt allein? Wo brauche ich noch Begleitung? Woran arbeite ich im nächsten Monat?

Woran Sie merken, dass es läuft: Sie haben ein Angebot selbst von der Anfrage bis zur Entscheidung des Kunden begleitet, egal wie diese ausgefallen ist.

Wenn der Zweifel kommt

Irgendwann in den ersten Wochen fragen Sie sich, ob der Wechsel richtig war. Das gehört dazu. Schauen Sie dann in Ihre Notizen aus dem ersten Monat: Was Sie damals nicht wussten, ist heute Alltag. Wer seine Fortschritte aufschreibt, sieht sie auch.

Wenn Sie den Wechsel mit einer Weiterbildung begleiten wollen, finden Sie auf der Seite Wege in den Vertrieb die Formate im Vergleich. Und wenn Sie in einem Unternehmen anfangen, das neue Kolleginnen und Kollegen bisher eher nebenbei einarbeitet, zeigen Sie Ihrer Führungskraft den Beitrag Neue Vertriebler einarbeiten.

Häufige Fragen

Kann man als Quereinsteiger direkt in den Außendienst?

Manchmal, wenn Sie das Produkt aus Ihrem bisherigen Fach sehr gut kennen. Meist ist der Innendienst der sicherere Start: Sie lernen Angebote, Preise und Kunden kennen, ohne gleich allein beim Kunden zu sitzen.

Was sollte man als Quereinsteiger im Vertrieb zuerst lernen?

Das Produkt aus Sicht des Kunden, die wichtigsten Kunden und den Ablauf vom Angebot bis zum Auftrag. Gesprächstechnik kommt danach, am besten an echten Terminen mit erfahrenen Kolleginnen und Kollegen.

Wie lange dauert die Einarbeitung als Quereinsteiger im Vertrieb?

Mit einem klaren Plan sitzen die Grundlagen oft nach den ersten drei Monaten. Sicher im eigenen Gebiet ist man meist deutlich später. Wer seine ersten 90 Tage in Phasen aufteilt, kommt spürbar schneller voran.

Passend dazu: selbst ausprobieren

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