Das Wichtigste in Kürze
Ein Jahresgespräch mit Bestandskunden führen Sie in drei Teilen: ein ehrlicher Rückblick auf das vergangene Jahr, ein Blick auf die Pläne des Kunden und Vereinbarungen mit Namen und Datum. Halten Sie Preise und Konditionen aus diesem Termin heraus. Der Kunde soll mehr erzählen als Sie präsentieren.
Viele Kundenbetreuer kennen das: Das Jahresgespräch mit dem wichtigsten Kunden steht im Kalender. Sie bereiten zwanzig Folien vor, mit Umsatzkurve, neuen Produkten und einem Ausblick. Nach einer Stunde haben Sie fast alles gezeigt, der Kunde hat freundlich genickt, und auf die Frage nach seinen Plänen fürs nächste Jahr sagt er: „Mal sehen, das ist noch offen.“ Danach gehen beide Seiten mit dem Gefühl, es sei ein gutes Gespräch gewesen. Erfahren haben Sie fast nichts.
Ein Jahresgespräch mit Bestandskunden ist der eine Termin im Jahr, in dem Sie mit Abstand auf die Zusammenarbeit schauen und gemeinsam nach vorn planen. Es lohnt sich aber nur, wenn der Kunde dabei mehr redet als Sie. Dieser Beitrag zeigt einen Ablauf für 90 Minuten, die Fragen für jeden Teil und warum Preise in diesem Termin nichts verloren haben.
Kundenjahresgespräch: wozu der Termin dient
Im Alltag reden Sie mit Ihrem Kunden über Lieferungen, Termine und Probleme. Für die großen Fragen bleibt keine Zeit. Das Jahresgespräch schafft diesen Raum. Es hat drei Aufgaben: ehrlich zurückschauen, verstehen, was der Kunde vorhat, und festhalten, was beide Seiten im nächsten Jahr tun.
Größere Unternehmen nennen solche Termine Business Review, im Klartext: ein geplantes Gespräch mit einem wichtigen Kunden über Zusammenarbeit und Pläne, oft jährlich oder vierteljährlich. Ob Sie es so nennen oder einfach Jahresgespräch, der Inhalt ist derselbe. Für Ihre wichtigsten Kunden gehört der Termin fest in den Account Plan.
Jahresgespräch und Preisrunde trennen
Im Handel und in vielen Einkaufsabteilungen heißt „Jahresgespräch“ etwas anderes: die jährliche Verhandlung über Preise, Rabatte und Konditionen. Wer beides in einen Termin packt, verliert das Wichtigste. Sobald es um Prozente geht, sitzt Ihnen ein Verhandlungspartner gegenüber, kein Gesprächspartner. Er wird Ihnen dann kaum erzählen, dass im Frühjahr eine neue Halle gebaut wird.
Wenn der Einkauf das Jahresgespräch als Preisrunde ansetzt, schlagen Sie vor, die Konditionen in einem eigenen Termin zu besprechen, gern in derselben Woche. Fragt der Kunde im Jahresgespräch doch nach dem Preis, nehmen Sie das Thema auf und vertagen es mit Datum: „Das klären wir am Donnerstag in Ruhe. Heute möchte ich verstehen, was Sie im nächsten Jahr vorhaben.“
Ablauf: das Jahresgespräch in 90 Minuten
Die folgende Tabelle ist ein Ablauf, den Sie an Ihren Kunden anpassen können. Die Zeiten sind Richtwerte. Wichtig ist das Verhältnis: Der größte Teil gehört den Plänen des Kunden, nicht Ihrer Präsentation.
| Teil | Zeit | Ziel | Frage zum Einstieg |
|---|---|---|---|
| Ankommen | 10 Minuten | Der Kunde kommt ins Erzählen | „Was hat Sie dieses Jahr am meisten beschäftigt?“ |
| Rückblick | 20 Minuten | Ehrliches Bild der Zusammenarbeit | „Was lief mit uns gut, und was hat Sie Zeit oder Nerven gekostet?“ |
| Pläne des Kunden | 35 Minuten | Vorhaben, Zeitpunkt, Beteiligte | „Was steht bei Ihnen im nächsten Jahr an?“ |
| Wir als Partner | 15 Minuten | Erwartungen an Sie klären | „Was müssen wir ändern, damit wir für Sie interessant bleiben?“ |
| Vereinbaren | 10 Minuten | Nächste Schritte mit Namen und Datum | „Was halten wir fest, und wer kümmert sich?“ |
Ihre eigenen Zahlen und Neuheiten bekommen keinen eigenen Block. Sie fließen dort ein, wo sie zu dem passen, was der Kunde erzählt. Eine Seite mit den wichtigsten Daten des Jahres reicht als Unterlage.
Rückblick: die Zusammenarbeit ehrlich bewerten
Beginnen Sie den Rückblick nicht mit Ihrer Umsatzkurve, sondern mit der Sicht des Kunden. Fragen Sie nach dem, was gut lief, und genauso nach dem, was gestört hat. Reklamationen aus dem Jahr sprechen Sie selbst an, bevor der Kunde es tut. Das zeigt, dass Sie nichts unter den Teppich kehren. Wie Sie aus höflichen Antworten ehrliche machen, steht im Beitrag Kundenzufriedenheit steigern im B2B.
Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, auch direkt zu fragen, ob Kunden mit uns zufrieden sind:
Voraussetzung ist, dass die Beziehung trägt und Sie die Antwort wirklich hören wollen.
Ausblick: die Pläne des Kunden verstehen
Das ist der wichtigste Teil des Jahresgesprächs. Beginnen Sie weit, beim Unternehmen und seinem Markt, und werden Sie dann enger, bis zur Abteilung und ihren Vorhaben. Wie dieser Weg vom Offenen ins Konkrete im Einzelnen funktioniert, beschreibt der Beitrag Folgeaufträge gewinnen. Im Jahresgespräch lohnt sich eine Frage besonders, weil Ihr Gesprächspartner nicht nur für sich spricht:
Wer weiß, woran sein Ansprechpartner im nächsten Jahr gemessen wird, kann ihm helfen, gut dazustehen. Achten Sie bei jedem genannten Vorhaben auf drei Dinge: Wann soll es losgehen, gibt es schon Geld dafür, und wer entscheidet mit? Notieren Sie die Namen, auch wenn diese Menschen heute nicht am Tisch sitzen.
Wir als Partner: was der Kunde erwartet
Ein Jahresgespräch ist auch eine Prüfung für Sie. Fragen Sie offen, wo Sie besser werden müssen. Das klingt ungewohnt, öffnet aber oft die ehrlichsten Antworten des ganzen Termins:
Mit dieser Frage beschreibt der Kunde selbst, was er von Ihnen erwartet. Das ist mehr wert als jede Folie über Ihr Angebot, denn Sie erfahren, welche Leistung für ihn morgen zählt.
Vereinbaren und nachfassen
Ein Jahresgespräch ohne Vereinbarungen ist ein netter Austausch. Halten Sie am Ende fest, was beide Seiten bis wann tun: ein Termin mit der Technik, ein Vorschlag zu einem Vorhaben, ein Gespräch mit der neuen Leitung. Jeder Punkt bekommt einen Namen und ein Datum.
Schicken Sie die Zusammenfassung noch am selben oder am nächsten Tag, kurz und in den Worten des Kunden. Tragen Sie die Termine sofort in den Kalender und übernehmen Sie die Vorhaben in Ihren Plan für diesen Kunden. Den nächsten Anruf brauchen Sie dann nicht zu erfinden: „Sie hatten im Jahresgespräch den Umbau im Lager erwähnt. Wie weit ist das?“ Wie Sie einen solchen Anlass vor dem nächsten Besuch nutzen, steht im Beitrag Kundenbesuch vorbereiten.
Typische Fehler im Jahresgespräch
- Präsentieren statt fragen. Zwanzig Folien lassen keinen Raum für das, was der Kunde vorhat.
- Preis und Zukunft mischen. Sobald verhandelt wird, endet das offene Gespräch.
- Nur mit dem Einkauf sprechen. Die Vorhaben kennen oft andere im Haus. Fragen Sie vorher, wer dazukommen sollte.
- Keine Vereinbarungen. Ohne Namen und Datum bleibt vom Termin nur ein gutes Gefühl.
- Bis zum nächsten Jahr warten. Das Jahresgespräch ersetzt nicht den regelmäßigen Kontakt, es ordnet ihn.
Das Jahresgespräch als Gewohnheit im Team
In vielen Vertriebsteams führt jeder sein Jahresgespräch anders, manche gar nicht. Ein gemeinsamer Ablauf hilft, aber er reicht nicht. Entscheidend ist die Haltung: fragen statt zeigen, zuhören statt verteidigen, festhalten statt hoffen. Das lässt sich üben. Die Online-Weiterbildung Bestandskundenentwicklung trainiert genau diese Gespräche neben dem Tagesgeschäft und an den eigenen Kunden der Teilnehmer. Den Überblick über alle Bausteine finden Sie auf der Seite Bestandskunden entwickeln.
Jahresgespräch in einem Satz
Ein gutes Jahresgespräch mit Bestandskunden schaut ehrlich zurück, lässt den Kunden ausführlich über seine Pläne erzählen, hält Preise heraus und endet mit Vereinbarungen, die Namen und Datum tragen.
Häufige Fragen
Was bespricht man im Jahresgespräch mit einem Kunden?
Den Rückblick auf das vergangene Jahr aus Sicht des Kunden, seine Pläne und Vorhaben für das kommende Jahr und die Frage, wie Sie ihn dabei unterstützen können. Am Ende stehen Vereinbarungen mit Namen und Datum.
Wie bereitet man ein Kundenjahresgespräch vor?
Sammeln Sie, was im Jahr passiert ist: Aufträge, Reklamationen, Zusagen, Wechsel bei den Ansprechpartnern. Schicken Sie dem Kunden vorher eine kurze Tagesordnung und fragen Sie, was er besprechen möchte und wer aus seinem Haus dabei sein sollte.
Sollte man im Jahresgespräch über Preise verhandeln?
Besser nicht. Sobald es um Prozente geht, wird aus dem Gespräch über die Zukunft eine Verhandlung, und der Kunde erzählt nichts mehr über seine Pläne. Vereinbaren Sie für Konditionen einen eigenen Termin.
Wer sollte beim Jahresgespräch dabei sein?
Auf Kundenseite der Hauptansprechpartner und wenn möglich jemand, der über Vorhaben und Budget mitentscheidet. Auf Ihrer Seite der Betreuer und bei wichtigen Kunden eine Führungskraft. Mehr als drei Personen je Seite machen das Gespräch schwerfällig.
WAXTUM500 Akademie · Online-Kurs
Online-Weiterbildung Bestandskundenentwicklung
Ein Jahresgespräch bringt nur dann Folgegeschäft, wenn der Kunde mehr redet als Sie und Sie die richtigen Fragen in der richtigen Reihenfolge stellen. Die Online-Weiterbildung Bestandskundenentwicklung übt genau diese Gespräche, in kurzen Einheiten und mit einer Aufgabe an Ihren eigenen Kunden.
- 12 Stunden in kurzen Modulen, im eigenen Tempo neben dem Tagesgeschäft
- Sieben Anwendungshilfen und über 120 Praxisaufgaben für die eigenen Kunden
- Trainer: Anthony Steffan, über 30 Jahre B2B-Vertrieb
- 60 Tage Zugang, kein Abonnement, 840 € netto je Teilnehmer
Erst wissen, wo es bei Ihnen hakt? Der Bestandskunden-Check zeigt es in drei Minuten, ohne Anmeldung.
